Vereinschronik

1907 - 1956:
In die Zeit der Wagnerverehrung um die Jahrhundertwende fiel die Gründung der damaligen Privatgesellschaft Lohengrin Rambach und es dürfte damit die Namensgebung verständlich sein.

Damals waren das Couplet und Chanson auf der Vereinsbühne Trumpf und das Mandolinenspiel war volkstümlich geworden. Mandolinengesellschaften taten sich auf mit den romantischen Namen "Tannhäuser" und "Lohengrin", dazu Privatgesellschaften, die dem Tanzvergnügen huldigten und solche, die nur der Unterhaltung ihrer Mitmenschen dienen wollten. Zu Letzteren gehörte die Privatgesellschaft "Lohengrin" Rambach. Die Humoristen und Coupletsänger Otto Reuter, Marcel Salzer u. A. standen damals im Zenit ihres Ruhmes und auf der Vereinsbühne versuchte man sie nachzuahmen. In diesem Sinne war in Rambach schon 2 Jahre früher die humoristische Gesellschaft "Fidelio" gegründet worden.

Mit dieser kam ein Teil der damaligen Turnerjugend in Konflikt und nach geschlossenem Austritt aus der Turnerschaft gründete dieser die zweite Gesellschaft innerhalb des Ortes, die Privatgesellschaft "Lohengrin" Rambach.

Die Gründer am 17. August 1907 waren:

Karl Schelmberg, August Bombardier, Adolf Mayer, Emil Schlink, Ludwig Steger, Wilhelm Schmidt, Heinrich Bruch, Gottfried Schäfer und Rudolf Schwein

Vorerst versuchte man auf Familienabenden und kleinen Veranstaltungen der Volksunterhaltung zu dienen.

Im Jahre 1912 meldete sich von Wiesbaden aus Willy Häuser als Mitglied an und brachte zugleich ein von ihm geschriebenes Spiel zur Jahrhundertfeier der Befreiungskriege mit, das unter seiner Leitung einstudiert und aufgeführt wurde.

Der erste Weltkrieg unterbrach ein zielstrebiges Schaffen und mancher der Gründer und Mitglieder kehrte nicht mehr zurück.

Es fielen im ersten Weltkrieg:

Rudolf Schwein, Ludwig Diehls, Emil Schlink und Willy Guckes.

Bereits kurz nach seiner Rückkehr aus Kriegsge-fangenschaft 1919 übernahm Willy Heuser wiederum die Spielleitung und brachte ein mehraktiges Spiel mit, das er selbst als Kriegsgefangener geschrieben und die 75. Price of Wales- Bühne zur Aufführung gebracht hatte: "Die Schatten". Mit Begeisterung ging die Jugend an dieses Spiel heran und wohl nie vorher und bis heute hat der Saalbau Taunus so viele Menschen gesehen wie damals als dieses Spiel zur Aufführung kam.

Aufgemuntert durch diesen Erfolg wurde nun aus der Privatgesellschaft eine "Gesellschaft Lohengrin" in deren Statuten unter Zweck des Vereins der Satz "Volksbildung und Volksunterhaltung durch Musik und Bühnenspiel". Seither hatte Karl Schelmberg den Vorsitz des Vereins, jedoch sah dieser sich durch eine berufliche Umstellung gezwungen von dieser Position zurückzutreten und man wählte nun den Vertreter einer jüngeren Generation, Adolf Martin.

In diesem hatte man einen zielbewussten, unternehmenden Kopf an die Spitze gestellt und einen guten Organisator gewonnen, der in gesundem Idealismus das Höchste erstrebte, was eine Laienbühne zu leisten imstande war. Mit Adolf Martin als Vorsitzender und Willy Heuser als Spielleiter war ein Gespann am Zuge, das vor keiner Schwierigkeit zurückschreckte und doch stets die Grenze des Erreichbaren für eine Laienbühne vor Augen hatte.

Theaterabende wechselten mit Bunten Abenden und es wird uns wohl jeder Einwohner Rambachs, der diese Zeit miterlebte bestätigen können, sie alle waren ein voller Erfolg.

Man pflegte nicht nur allein das Bühnenspiel, sondern gründete auch eine Volksmusikgruppe, die sich aber später mangels einer zielstrebigen Lehrkraft wieder auflöste.

So kam das Jahr 1927 und das zwanzigjährige Stiftungsfest!

Immer mehr rückte unser Verein ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Es würde zu weit führen, die Theaterabende und alle die Bunten Abende mit ihren Einaktern, Singspielen und Vorträgen einzeln aufzuführen. Doch einige besondere möchten wir erwähnen: "Der Meineidbauer", "Marie Ann das Weib aus dem Volke", "Der Charlatan", "Der Schmied von Ruhla" und "Der Sieg des Rechtes".

Bekannte Einakter wie "Die Sühne", "Die wilde Toni", "Das Versprechen hinterm Herd", "Hektor", "Er muß taub sein" und viele andere bildeten den Kernpunkt der Bunten Abende. Dazu kamen abendfüllende Lustspiele und Schwänke.

Der Spielleiter schuf aus der Lohengrin-Spielschar die "Nassauische Heimatspielgruppe" und brachte mit dieser das Heimat- und Dialektspiel "Der Bauerndoktor" von W. Heuser und K. Missler mit Liedern von Otto Höfer vertont, heraus. Presse und Publikum waren wohl selten so begeistert wie von dieser Aufführung.

Ein weiteres Heimatspiel wurde von dem Spielleiter W. Heuser geschaffen und auf unserer Rambacher Bühne aufgeführt: "Die Heimat ruft", das nicht weniger Begeisterung hervorrief.

Weit über die Ortsgrenzen hinaus erfolgten Aufführungen, in der Innenstadt sowie in mehreren Vororten Wiesbadens.

Weitere Aufführungen folgten wie "Der letzte Barde". Keim von Diedenbergen, in der Gestalt des uns unvergessenen Heini Heidecker und seiner Lisbeth, Minna Zerbe ziehen über die Bühne.

Die Machtübernahme Hitlers setzte dem Wirken der Nassauischen Heimatspielgruppe der "Gesellschaft Lohengrin" Wiesbaden-Rambach ein vorläufiges Ende.

Die Politik siegte über das Vereinsleben und die Zeit des intensiven Schaffens war vorbei. Wohl war der Verein in der Feiergestaltung der D. A. F. hineingestellt, doch man konnte an keine grösseren Aufgaben herangehen, da der Dienst in den damaligen Parteiorganisationen den jungen Menschen keine Zeit ließ, sich für Ihre Ideale einzusetzen.

So vegetierte man weiter bis zum zweiten Weltkrieg, der wiederum alle Vereinstätigkeiten unterband.

Aus dem zweiten Weltkrieg kamen folgende Mitglieder nicht mehr zurück: Erich Bombardier, Oskar Heuser, Heinz Martin, Erich Will.

Nach dem Krieg dauerte es einige Jahre bis man die Genehmigung bekam, sich als Verein wieder zusammenzufinden.

Der Vorsitzende Adolf Martin, der Kassierer Karl Maurer, der neue Spielleiter Willi Stein und viele andere brachten das Vereinsleben wieder in Gang. Der alte Schlager "Die Spanische Fliege", dem der Ehrenspielleiter Willy Heuser den letzten Schliff gab, zeigte, dass man in alter Tradition auch den Ansprüchen der neuen Zeit vollauf gewachsen war. "Die Mühle im Schwarzwald" folgte und bewies, dass das Vertrauen zu den Leistungen der "Gesellschaft Lohengrin" bei der Bevölkerung nicht nachgelassen hat.

"Die Lohengrin spielt!" ist immer noch ein Schlagwort, das weit über den Ortsbereich Beachtung findet. Die junge Generation wird im Sinne ihrer Väter weiterarbeiten, so dass man in Rambach und Umgebung auch weiterhin sagen wird: "Da gehen wir wieder hin am Sonntag - Die Lohengin spielt!"

Der Chronist W. H.

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