In die Zeit der
Wagnerverehrung um die Jahrhundertwende fiel die
Gründung der damaligen Privatgesellschaft
Lohengrin Rambach und es dürfte damit die
Namensgebung verständlich sein. Damals waren
das Couplet und Chanson auf der Vereinsbühne Trumpf
und das Mandolinenspiel war volkstümlich geworden.
Mandolinengesellschaften taten sich auf mit den
romantischen Namen "Tannhäuser" und
"Lohengrin", dazu Privatgesellschaften, die
dem Tanzvergnügen huldigten und solche, die nur der
Unterhaltung ihrer Mitmenschen dienen wollten. Zu
Letzteren gehörte die Privatgesellschaft
"Lohengrin" Rambach. Die Humoristen und
Coupletsänger Otto Reuter, Marcel Salzer u. A.
standen damals im Zenit ihres Ruhmes und auf der
Vereinsbühne versuchte man sie nachzuahmen. In
diesem Sinne war in Rambach schon 2 Jahre früher die
humoristische Gesellschaft "Fidelio"
gegründet worden.
Mit
dieser kam ein Teil der damaligen Turnerjugend in
Konflikt und nach geschlossenem Austritt aus der
Turnerschaft gründete dieser die zweite Gesellschaft
innerhalb des Ortes, die Privatgesellschaft
"Lohengrin" Rambach.
Die
Gründer am 17. August 1907 waren:
Karl
Schelmberg, August Bombardier, Adolf Mayer, Emil
Schlink, Ludwig Steger, Wilhelm Schmidt, Heinrich
Bruch, Gottfried Schäfer und Rudolf Schwein
Vorerst versuchte man auf
Familienabenden und kleinen Veranstaltungen der
Volksunterhaltung zu dienen.Im Jahre 1912
meldete sich von Wiesbaden aus Willy Häuser als
Mitglied an und brachte zugleich ein von ihm
geschriebenes Spiel zur Jahrhundertfeier der
Befreiungskriege mit, das unter seiner Leitung
einstudiert und aufgeführt wurde.
Der
erste Weltkrieg unterbrach ein zielstrebiges Schaffen
und mancher der Gründer und Mitglieder kehrte nicht
mehr zurück.
Es
fielen im ersten Weltkrieg:
Rudolf
Schwein, Ludwig Diehls, Emil Schlink und Willy
Guckes.
Bereits
kurz nach seiner Rückkehr aus Kriegsge-fangenschaft
1919 übernahm Willy Heuser wiederum die Spielleitung
und brachte ein mehraktiges Spiel mit, das er selbst
als Kriegsgefangener geschrieben und die 75. Price of
Wales- Bühne zur Aufführung gebracht hatte:
"Die Schatten". Mit Begeisterung ging die
Jugend an dieses Spiel heran und wohl nie vorher und
bis heute hat der Saalbau Taunus so viele
Menschen gesehen wie damals als dieses Spiel zur
Aufführung kam.
Aufgemuntert durch diesen
Erfolg wurde nun aus der Privatgesellschaft eine
"Gesellschaft Lohengrin" in deren Statuten
unter Zweck des Vereins der Satz "Volksbildung
und Volksunterhaltung durch Musik und
Bühnenspiel". Seither hatte Karl Schelmberg den
Vorsitz des Vereins, jedoch sah dieser sich durch
eine berufliche Umstellung gezwungen von dieser
Position zurückzutreten und man wählte nun den
Vertreter einer jüngeren Generation, Adolf Martin.In diesem
hatte man einen zielbewussten, unternehmenden Kopf an
die Spitze gestellt und einen guten Organisator
gewonnen, der in gesundem Idealismus das Höchste
erstrebte, was eine Laienbühne zu leisten imstande
war. Mit Adolf Martin als Vorsitzender und Willy
Heuser als Spielleiter war ein Gespann am Zuge, das
vor keiner Schwierigkeit zurückschreckte und doch
stets die Grenze des Erreichbaren für eine
Laienbühne vor Augen hatte.
Theaterabende
wechselten mit Bunten Abenden und es wird uns wohl
jeder Einwohner Rambachs, der diese Zeit miterlebte
bestätigen können, sie alle waren ein voller
Erfolg.
Man
pflegte nicht nur allein das Bühnenspiel, sondern
gründete auch eine Volksmusikgruppe, die sich aber
später mangels einer zielstrebigen Lehrkraft wieder
auflöste.
So kam das Jahr 1927
und das zwanzigjährige Stiftungsfest!
Immer mehr rückte unser
Verein ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Es würde
zu weit führen, die Theaterabende und alle die
Bunten Abende mit ihren Einaktern, Singspielen und
Vorträgen einzeln aufzuführen. Doch einige
besondere möchten wir erwähnen: "Der
Meineidbauer", "Marie Ann das Weib aus dem
Volke", "Der Charlatan", "Der
Schmied von Ruhla" und "Der Sieg des
Rechtes".Bekannte Einakter wie
"Die Sühne", "Die wilde Toni",
"Das Versprechen hinterm Herd",
"Hektor", "Er muß taub sein" und
viele andere bildeten den Kernpunkt der Bunten
Abende. Dazu kamen abendfüllende Lustspiele und
Schwänke.
Der
Spielleiter schuf aus der Lohengrin-Spielschar die
"Nassauische Heimatspielgruppe" und brachte
mit dieser das Heimat- und Dialektspiel "Der
Bauerndoktor" von W. Heuser und K. Missler mit
Liedern von Otto Höfer vertont, heraus. Presse und
Publikum waren wohl selten so begeistert wie von
dieser Aufführung.
Ein
weiteres Heimatspiel wurde von dem Spielleiter W.
Heuser geschaffen und auf unserer Rambacher Bühne
aufgeführt: "Die Heimat ruft", das nicht
weniger Begeisterung hervorrief.
Weit
über die Ortsgrenzen hinaus erfolgten Aufführungen,
in der Innenstadt sowie in mehreren Vororten
Wiesbadens.
Weitere
Aufführungen folgten wie "Der letzte
Barde". Keim von Diedenbergen, in der Gestalt
des uns unvergessenen Heini Heidecker und seiner
Lisbeth, Minna Zerbe ziehen über die Bühne.
Die
Machtübernahme Hitlers setzte dem Wirken der
Nassauischen Heimatspielgruppe der "Gesellschaft
Lohengrin" Wiesbaden-Rambach ein
vorläufiges Ende.
Die Politik siegte über das
Vereinsleben und die Zeit des intensiven Schaffens
war vorbei. Wohl war der Verein in der
Feiergestaltung der D. A. F. hineingestellt, doch man
konnte an keine grösseren Aufgaben herangehen, da
der Dienst in den damaligen Parteiorganisationen den
jungen Menschen keine Zeit ließ, sich für Ihre
Ideale einzusetzen.So vegetierte man weiter bis
zum zweiten Weltkrieg, der wiederum alle
Vereinstätigkeiten unterband.
Aus
dem zweiten Weltkrieg kamen folgende Mitglieder nicht
mehr zurück: Erich Bombardier, Oskar Heuser, Heinz
Martin, Erich Will.
Nach
dem Krieg dauerte es einige Jahre bis man die
Genehmigung bekam, sich als Verein wieder
zusammenzufinden.
Der
Vorsitzende Adolf Martin, der Kassierer Karl Maurer,
der neue Spielleiter Willi Stein und viele andere
brachten das Vereinsleben wieder in Gang. Der alte
Schlager "Die Spanische Fliege", dem der
Ehrenspielleiter Willy Heuser den letzten Schliff
gab, zeigte, dass man in alter Tradition auch den
Ansprüchen der neuen Zeit vollauf gewachsen war.
"Die Mühle im Schwarzwald" folgte und
bewies, dass das Vertrauen zu den Leistungen der
"Gesellschaft Lohengrin" bei der
Bevölkerung nicht nachgelassen hat.
"Die
Lohengrin spielt!" ist immer noch ein
Schlagwort, das weit über den Ortsbereich Beachtung
findet. Die junge Generation wird im Sinne ihrer
Väter weiterarbeiten, so dass man in Rambach und
Umgebung auch weiterhin sagen wird: "Da gehen
wir wieder hin am Sonntag - Die Lohengin
spielt!"
Der
Chronist W. H.
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