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Literarische Beiträge zum 90 jährigen Jubiläum von Lohengrin |
LOHENGRIN - EIN VOLLZEITJOB ?
Frankfurt 8.02 Uhr unrasiert. Mit roten Augen und wirrem Haar
komme ich in mein Büro. Wie ferngesteuert bewege ich mich über
den Flur in Richtung Kaffeeküche. Ein Kollege kommt mir entgegen: "Na, haste gestern wieder Einen gesoffen ?",fragt er sichtlich
erheitert. "Keinen Tropfen, wir hatten dieses Wochenende wieder
zwei Theateraufführungen!" entgegne ich leise. "Diese Theatergruppe ist ja ein Fulltime-Job", bemerkt mein Kollege in korrektem Neudeutsch.
Moment, erst muß ich eines klarstellen: Lohengrin ist kein "Nine
to Five-Job", den man so nebenbei erledigt.
Lohengrin ist eine Leidenschaft! -eine Überzeugung!- eine Sucht?
Lohengrin ist eine junge Truppe von (Theater- ) verrückten Idealisten, die immer wieder, mit neuen Ideen und Einflüssen, tolle
Produktionen auf die Bühne stellen. Das kostet natürlich Zeit und
Nerven.
Wie fast alle Theatervereine leidet auch Lohengrin an chronischem Personalmangel. Weniger auf der Bühne als hinter der Bühne.
So wird der Vereinsvorstand ausschließlich von Mitgliedern
der aktiven Spielergruppe gebildet. Neben Text lernen und Regie
führen müssen für die neue Produktion die Werbetrommel gerührt,
die Bühne, Kostüme und Plakate entworfen werden. Nach
Stundenlangen Vorstandssitzungen und halbjährigem Planungsvorlauf erfaßt die
Lohengriner eine Woche vor der Premiere, heftige Betriebsamkeit.
Der "Harte Kern" der Truppe trifft sich, um den Kulissen den
letzten Schliff zu geben. Gemeinsam wird geschreinert, gemalt
und tapeziert. Und dann der große Tag der Premiere: Die Spielergruppe und einige unermüdliche Helfer (vielen Dank, Mädels und
Jungs!) verwandeln die Rambacher Mehrzweckhalle in ein Theater. Bühne und Kulissen werden gestellt, Ton- und Lichtanlage installiert.
Dann schnell die Generalprobe. Teilweise stehen die Darsteller
mit Blaumann und Arbeitskleidung auf der Bühne. 20 Uhr, das
Publikum erwartet gespannt den Anfang der Vorstellung. Der
Vorhang öffnet sich und jeder Darsteller gibt sein Bestes. Der Applaus der letzten Aufführung ist kaum verklungen, da schlüpfen
die Darsteller wieder in ihre "Arbeitskostüme". Schnell wird die
Bühne abgebaut, die Kulissen verladen und in unser Lager verbracht. Und endlich, gegen 2 Uhr nachts, fallen alle Aktiven todmüde, aber überglücklich in die Kojen.
Unser Salär besteht ausschließlich aus dem Applaus des Publikums und dem Spaß, den man in unserer Gruppe erlebt. Wir sind
zwar keine Profis, aber ich denke, wir machen alle unseren Job
sehr gut.
Text von Heiko Sudheimer aus dem Heft "Der 90. Geburtstag" oder "Rambacher Schwanengesang"
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